E-Bus auf Tour

Es fahren nicht viele Elektro-Busse oder -Lkws auf Bayerns Straßen, der E-Linienbus der Stadtwerke Bad Wörishofen ist da Vorreiter.

E-Nutzfahrzeuge werden in Zukunft eine immer größere Rolle auf den Straßen spielen. Deshalb wird das entsprechende Fachpersonal schon heute an der Berufsschule Mindelheim am E-Bus der Stadtwerke ausgebildet.

Handwerk hat goldenen Boden, da ist sich Stefan Lutzenberger von der Berufsschule Mindelheim sicher und geht noch weiter: „Ich bin davon überzeugt, dass man mit einer Berufsausbildung heutzutage weiter kommen kann als mit einem Studium.“ Der Berufsschullehrer und gelernte Kfz-Meister bildet angehende Mechatroniker in den Be-reichen Nutzfahrzeuge, Land- und Baumaschinen aus. Damit sie für die Zukunft gut vorbereitet sind, geht ihr Lehrer auch mal unkonventionelle Wege.

„Das Thema E-Mobilität ist schon seit etwa drei Jahren im Lehrplan verankert, doch einen eigenen Elektro-Lkw oder -Bus zu kaufen, ist momentan für den Sachaufwandsträger der Schule nicht realisierbar“, so Stefan Lutzenberger. Aber ein zeitweiliges Mieten für Schulungszwecke schon. Deshalb nutzte er die Chance, als die Stadtwerke ihren ersten Elektro-Bus kauften. Er sprach mit unserem Leiter für Verkehrsbetriebe Franz Egger, den er aus den Zeiten kannte, als Lutzenberger noch die Werkstatt eines Busunternehmens leitete. Franz Egger war sofort mit dabei: „Als regionales Unternehmen helfen wir natürlich gern, den Nachwuchs auszubilden. Da die Kurlinie im Winterfahrplan mit einem Bus auskommt, kann der E-Bus gegen einen Mietpreis den Winter über nach Mindelheim. Für die Berufsschule und uns ist es eine Win-win-Situation“, ist Franz Egger überzeugt.

Auch für Stefan Lutzenberger und seine Schüler ist es eine tolle Gelegenheit, ihr erlerntes Wissen anzuwenden: „Diese Situation ist einmalig in Bayern, weil die Stadtwerke Bad Wörishofen in Sachen E-Bus Vorreiter sind. Auch unserem Sachaufwands-träger, dem Landkreis Unterallgäu, sind wir hierfür zu Dank verpflichtet.“

Es ist absolut wichtig für eine praxisnahe Ausbildung der Azubis, die Diagnose- und Funktionsüberprüfung, die TÜV-Abnahme, das Bremssystem oder die Klimaanlage an einem funktionsfähigen Bus und nicht an einem Modell zu erlernen. Denn hier ist alles anders, wie der Berufsschullehrer erklärt: „Das ganze Know-how über Verbrennungsmotoren kann man hier nicht anwenden, stattdessen gibt es einen Elektromotor und Batteriespeicher.“ Auch die sogenannte Freischaltung der 400-bis 800-Volt-Batterie muss gelernt werden. Denn während man bei einem herkömmlichen Fahrzeug mit Gleichstrom bis 50 Volt arbeitet, sind das Abklemmen der Batterie und das Messen der Spannungsfreiheit hier überlebenswichtig. An der Berufsschule Mindelheim können Schüler die Berechtigung zum Arbeiten an Hochvoltfahrzeugen dank des E-Busses gleich miterwerben. Auch die angehenden Azubis zum Busfahrer profitieren in der Berufsschule von der Partnerschaft.

Aber nicht nur deshalb wird unser E-Bus immer schon freudig erwartet. „Da ich einen Busführerschein habe, lade ich alle Berufsschüler in den Bus ein und demonstriere ihnen erst einmal, was für eine Beschleunigung ein Elektro-Bus haben kann, da zieht es nämlich erst einmal alle in ihre Sitze“, lacht Stefan Lutzenberger. Ausbildung kann eben auch großen Spaß machen.